Unter dem Begriff Bruxismus versteht man das unbewusste Zähneknirschen oder –aufeinanderpressen, welches bevorzugt nachts auftritt. Die starke mechanische Überbeanspruchung der Kauflächen und des Zahnhalteapparates kann zu vielfältigen Folgeerscheinungen führen. Vom vorzeitigen Verschleiß der Zahnsubstanz und Verspannungen der Kau- und Kiefermuskulatur bis über Schwindel, Übelkeit und Tinnitus zu teilweise schwerwiegenden Schmerzsyndromen durch die Irritation von Nerven im betreffenden Bereich.

Ursachen und Risikofaktoren:

Über die Ursachen des Bruxismus liegen aus der modernen zahnmedizinischen Forschung noch zu wenig wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vor. Unklar ist beispielsweise, ob das häufige Zähneknirschen in jedem Fall einen Krankheitswert besitzt. Auch der Zusammenhang mit erblichen Faktoren ist bisher unbekannt. Vieles spricht dafür, dass der Bruxismus Folge eines Ursachenkomplexes ist, bei dem äthiologisch auch psychosoziale und persönliche Voraussetzungen der Betroffenen betrachtet werden müssen. Häufig äußert sich eine überstarke innere Spannung in unbewusstem Zähneknirschen. Als weitere Risikofaktoren gelten chronische Stress- und Angstzustände, assoziierte Schlafstörungen sowie Alltagsdrogen wie Nikotin, Koffein und Alkohol. Auch bestimmte Medikamente können die Störung verstärken oder auslösen.

Wie kann das nächtliche Zähneknirschen behandelt werden?

Die Therapie des nächtlichen Zähneknirschens erfolgt im Rahmen einer Verhaltenstherapie, bei der der Patient über Selbstbeobachtung und Lockerungsübungen dazu angeleitet wird, die Störung positiv zu beeinflussen. Zur Verhinderung der teilweise erheblichen verschleißbedingten Zahnschädigungen kann eine Aufbissschiene hilfreich sein, die von qualifizierten Zahntechnikern angefertigt wird. Eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist die Technik des sogenannten Biofeedbacks, bei dem der Muskeltonus im Bereich des Kauapparates gemessen wird. Über die Kopplung an ein akustisches oder optisches Signal kann erreicht werden, dass der Patient das Zähneknirschen bewusst wahrnimmt und so unterbrechen kann. Suggestive Techniken im Rahmen einer Hypnotherapie können ebenfalls wirksam sein. Eine psychotherapeutische Betreuung als Gesprächstherapie kann helfen, innere Konflikte aufzuarbeiten und innere Anspannungen zu lösen.

Kann man sinnvoll vorbeugen?

Bei Kindern und Jugendlichen kann ein Bruxismus in gewisser Ausprägung normal sein. Jedoch führt die Störung bei manchen Betroffenen zu hohem Leidensdruck und schweren mechanischen Schäden an Gebiss und Zahnhalteapparat. Im übertragenen Sinne enthält die Hypothese, das manche Menschen ihre tagsüber ‘heruntergeschluckten’ Probleme auf diese Weise des Nachts noch einmal ‘durchkauen’, auch ein Körnchen Wahrheit. Die beste Vorbeugung ist daher das Vermeiden der bekannten Risikofaktoren und das offene Aufarbeiten problemträchtiger Lebenssituationen und seelischer Konflikte, um innere Unruhezustände frühzeitig aufzulösen.